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Bungee jumping Tony Medina, Houston TexasBungee jumping Tony Medina, Houston Texas

Während ich hier sitze und diese Worte schreibe, muss ich unweigerlich daran denken, dass heute am frühen Abend, ein Mann, den ich Bruder nannte durch den STAAT TEXAS ERMORDET wurde. Vor circa einer Woche war der 14. Jahrestag, meines Lebens im Todestrakt. es ist schon wahr wenn Menschen sagen, dass unser Leben nicht immer den erwünschten Weg geht.

Am 31.12.1995, als ich das Haus meiner Eltern verließ, um mit meinem Cousin und ein paar alten Freunden, welche noch immer in der Gang waren, auf eine Party zu gehen, hätte ich mir nie im Leben ausgemalt, welchen Weg mein Leben in dieser Nacht einschlagen würde. Ich hatte es nicht geplant, in den Todestrakt zu kommen. Ich hatte eben so wenig geplant, mehrere Männer kennen zu lernen, welche später zu meinen Brüdern werden. Es war auch nicht mein Plan, mit an zusehen, wie meine Brüder weg getragen werden, um vom Staat ermordet zu werden. Ich HATTE geplant, ins neue Jahr zu feiern. 1996 sollte für mich ein gutes Jahr werden, DEM WAR ICH MIR SICHER!!!!!

Aber das Schicksal hatte andere Pläne für mich gemacht.

Ich denke ich sollte mich erst mal vorstellen? Mein Name ist Tony Medina, aber das weist du bestimmt schon, da du meine Seite liest. Aber ich finde es höflicher mich selber vorzustellen.. Ich werde bald 35 Jahre alt sein und bin bereits 13 Jahre eingesperrt, für ein Verbrechen, welches ich nicht begangen habe. Ich möchte nicht in Selbstmitleid zerfließen, aber es ist schon eine lange Zeit um in einem Käfig eingesperrt zu sein. Und dabei schlechter behandelt zu werden als ein Tier im Zoo.

Ich bin Houston, Texas geboren und aufgewachsen. In dieser schicksalhaften Nacht im Dezember, die bereits solange zurück liegt, war ich grade mal 21 Jahre alt. Ich hatte einen Job und eine wirkliche Zukunft, ich hatte zwei Kinder, die mich in ihrem Leben brauchten, ich hatte ein wundervolles Mädchen an meiner Seite und nach neun Jahren, in denen ich immer wieder versuchte, mich aus dem Gangleben heraus zuziehen, hatte ich es endlich geschafft, mich zu lösen.

Viel Menschen fragen mich, warum es so lange dauerte, die Gang zu verlassen. Es gibt keine einfache Antwort dafür. Ich trat der Gang bei, als ich 12 Jahre alt war. Ich wollte akzeptiert werden und da war sie, diese „Familie“, zu der ich gehören konnte. So mit tappte ich in eine Falle, in die viel Jugendliche tappen. In späteren Jahren, versuchte ich mich von diesem Leben zu lösen, denn ich konnte sehen, dass es mich auf den falschen Weg führte. Bis ich 21 war konnte ich mich nie wirklich trennen, ich verfiel immer wieder alten Schwächen und folgte dem Ruf der Straße.

Aber ich wusste, dass ich was verändern musste! In der Zeit, als ich von 1994-95, 11 Monate eingesperrt war, hatte ich zwei wundervolle Kinder, einen Jungen und ein Mädchen. Ich hätte für sie als Vater da sein müssen, so wie es mein Vater für gewesen ist. Also folgte ich meinem Herzen und traf eine gute Entscheidung, die Gang zu verlassen.

In dieser Dezember Nacht, hatte ich meine Meinung nicht geändert. Sowohl mein Auto, als auch das Auto von meiner Schwester taten es nicht. Also hatte ich kein Fortbewegungsmittel. Ich dachte mir, dass EINE NACHT, mit Alkohol, mit alten Freunden, welche immer noch in der Gang waren, nicht schaden würde. Ich wollte nicht wieder in ihr Leben einsteigen, nur ein paar Bier trinken…...

Ich habe diese Entscheidung, die letzten 14 Jahre bereut.

Als der Richter in seiner schwarzen Robe dort oben saß, von allen anderen durch sein hölzernes Richterpult getrennt und mir eröffnete, dass ich zum Tode, durch eine tödliche Injektion verurteilt wurde, war ich völlig geschockt. Ich meine, ich war unschuldig! Ich hatte nicht das Verbrechen begangen, für welches sie mich eingesperrt hatten. Also WIE konnte man mich zum Tode verurteilen. Ist das fair?

Die unschöne Wahrheit ist, dass gerade in Texas, das Justizsystem sich nicht gerade darum schert, ob ein Verfahren fair gestaltet wird. Sie kümmern sich lediglich um Nummern und Politik. Die Richter und Staatsanwälte, wollen sich so darstellen, als ob sie bei Verbrechen hart durchgreifen, damit man sie wieder und wieder wählt, um dies zu erreichen müssen sie es zu möglichst vielen Verurteilungen kommen lassen. Was also wenn genau dadurch ein menschliches Leben ruiniert, oder gar genommen wird?

Es interessiert sie nicht ob sie einen unschuldigen Menschen in den Todestrakt stecken, es macht ihnen ja nicht mal etwas aus wenn durch ihre Hand ein unschuldiger durch den Staat ermordet wird. Der Artikel über Todd Willingham, welcher durch den „New Yorker“ veröffentlicht wurde, beweist genau das. Todd war weder der erste, noch der letzte, der unschuldig durch den Staat hingerichtet wurde. Er war lediglich der erste, wo man sich die Mühe machte, die Beweise anzuerkennen. Texas ist sich durchaus bewusst darüber, dass er nicht der erste und nicht der letzte war. Aber haben sie irgendwelche Schritte unternommen, um solchen Geschehnisse vorzubeugen? NEIN!

Meine Verfahrensanwälte, Männer die ihr Geld vom den gleichen Menschen bekommen, die mich in den Todestrakt schickten, haben nicht einmal versucht meine Unschuld zu beweisen. Dies ist nicht nur meine Ansicht, sondern die von jedem weiterem Anwalt, welcher sich meinen Fall angesehen hat. Meine Verfahrensanwälte, haben nicht einmal ein Minimum getan, um mir zu helfen. Anwälte die meine gegenwärtige Berufung vorbereiten, haben mehrere Zeugen und Beweise gefunden, die meine Unschuld beweisen. Diese Beweise und Zeugen, hätten meine Anwälte, bereits während des Verfahrens vorbringen müssen, wenn sie wirklich für MICH, und nicht nur für den Staat gearbeitet hätten.

Trotz alle dem, sitze ich auch 8 Jahre, nach dem meine Anwälte diese Beweise gefunden haben, noch immer im Todestrakt. Das texanische Justizsystem hasst es, Fehler zugeben zu müssen. Das heißt, wenn sie dich einen einmal in den Todestrakt schicken, machen sie es dir durch kleine Eingreife, fast unmöglich deine Unschuld zu beweisen. Sie geben nichts auf die Unschuld eines Menschen! Aber das Unmögliche kann möglich gemacht werden und wurde es auch bereits und genau da brauche ich deine Hilfe, wenn ich nicht ein weiteres Opfer der Todesmaschine Texas werden will….

Ich brauche Menschen, die mir helfen, nicht für ein Verbrechen hingerichtet zu werden, was ein anderer verübt hat.

Eine zweite Chance, ist alles was ich mir für mein Leben wünsche. Die Chance ein Vater für mittlerweile drei Kinder zu sein. Die Chance, ein Leben zu haben. Die Chance, die gewisse Frau an meiner Seite zu finden, einfach als menschliches Wesen akzeptiert zu werden und nicht wie ein Tier behandelt zu werden, so wie ich es jeden Tag in dieser Hölle erleben muss...

Tony Medina, Livingston Texas, Polunsky Unit

Tony Medina


Der Todestrakt


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