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Erlebnisbericht Tony Medina

Vorweihnachtszeit im November 2006. Ich telefonierte mit einem befreundeten Musiker. Er erzählte mir von einer etwas seltsamen E-Mail aus den USA, die ihn zum Nachdenken brachte. Ihm schrieb eine aus Deutschland stammende Frau, die einen Amerikaner geheiratet hat und zusammen mit ihm in die USA gegangen ist. Irgendwann hat ihr Mann eine falsche Entscheidung getroffen: Er überfiel eine Tankstelle. Der Kassierer wurde dabei erschossen. Sie berichtete von ihrer Wut, ihrer Trauer, ihrer Sehnsucht nach Deutschland und von der Tat, wie sie damit umgeht. In dieser schwierigen Zeit half seine Musik, gab ihr Hoffnung. Ihr Mann sitzt im Gefängnis in der Todeszelle und wartet auf seine Hinrichtung. Sie lebt alleine mit dem gemeinsamen Kind. Das Leben, erzählte sie in der E-Mail, sei sehr schwer, da sie und ihr Sohn von der Gesellschaft gemieden würden. Schließlich ist sein Vater, ihr Mann, ein verurteilter Mörder. Er habe die Tat zwar bereut, vor allem, was er seiner Familie damit angetan hat, doch es ist nicht mehr rückgängig zu machen.

Das Telefonat machte mich nachdenklich. Klar wusste ich, dass in den USA die Todesstrafe noch praktiziert wird, doch dass sie so häufig verstreckt wird, das war mir nicht bewusst. Schließlich hatte ich mich mit diesem Thema nie wirklich beschäftigt. Ich bin für harte Strafen – wenn sie gerechtfertigt sind, und ich war auch für die Todesstrafe, doch das änderte sich in den folgenden Wochen schlagartig.

Diese Geschichte ließ mich nicht los und ich saß die folgenden Nächte am Computer und recherchierte. Durch eine Verlinkung kam ich auf den Fall „Tony Medina“. Immer wieder las ich seine Geschichte – war das wirklich wahr? Was passiert da in den USA, dem Land der Träume? Konnte das wirklich sein? Tony war ein Mitglied einer Gang, ein „böser Junge“ mit vielen Vorstrafen, also vielleicht stimmte das alles gar nicht und er hatte die Tat doch begangen. Aber kann man einen Menschen allein wegen seiner Vorgeschichte verurteilen? Wer weiß, was Tony Medina für ein Mensch ist?

Ich schrieb ihm eine Weihnachtskarte. Natürlich hatte ich bedenken, meine Adresse auf diese Karte zu schreiben. Ich wusste nicht, wer er war, was passieren konnte. Nicht, dass ich mit einem Massenmörder in Kontakt komme – das wollte ich natürlich nicht. Oder vielleicht bekam ich Ärger mit der Justiz, dem Staat Texas etc.

Etwa 14 Tage später kam eine Antwort ... Was für eine schöne Schrift, dachte ich im ersten Moment. Ich war gespannt, was er mir schrieb. Ich öffnete den Brief. Es waren zwei Seiten. Zu Beginn stellte er sich sehr höflich vor, schrieb wer er war, erklärte seinen Fall, was ihm vorgeworfen wurde und seine Version. Er schilderte genau, was er an Hilfe bräuchte. Am Ende des Briefes schrieb er, dass ich es mir gut überlegen sollte, ob ich ihm wirklich weiter schreiben möchte. Dann fragte er ganz direkt, was genau ich wolle: ihm helfen oder nur eine Brieffreundschaft? Beides wäre für ihn OK und er wartet, weil er sowieso nicht weg kann …
Wow, er machte Witze über seine Situation?

Ich entschied mich, ihn in seinem Kampf zu unterstützen, denn wenn es wirklich wahr war, was er berichtete, so musste doch etwas unternommen werden. Es folgten unzählige Briefe hin und zurück mit Skizzen, Beschreibungen, Zeitungsartikeln und nach fast zwei Jahren seine komplette Gerichtsakte. Ich war beeindruckt, wie viel Vertrauen er mir schenkte. Nicht jedem gibt er Einblick in seine Gerichtsakten, weil dort auch sehr viel Privates drinsteht. Sehr Privates, was nichts mit dem eigentlichen Fall zu tun hat, aber dennoch benutzt wurde. Im Grunde kann ich sagen, dass er sich komplett ausgezogen hat, um mich mit dem Fall vertraut zu machen.

Wir hatten schlechte Tage und gute Tage, an denen wir viel gelacht haben. Das Vertrauen wuchs immer mehr, und vieles, worüber wir reden, dreht sich um sehr persönliche Dinge: um Angst, Beziehungen, Erlebnisse, Träume etc. …

Tony ist ein sehr dickköpfiger Mensch, der auch mal streitet, doch er hat seinen Humor nicht verloren, obwohl er in der Todeszelle sitzt. Seine Briefe sind eine Bereicherung für mich, jedoch auch manchmal sehr traurig, denn schließlich hat er posttraumatische Erlebnisse zu verarbeiten sowie mit seinen Depressionen zu kämpfen.

Wir diskutierten sehr viel über die Todesstrafe – Sie wissen ja, ich war ein Verfechter dieser, wenn sie gerechtfertigt war – und über die Gesetze im Allgemeinen. Wir verglichen die Gesetze hier in Deutschland mit den Gesetzen in den USA. Wir sprachen über Förderung von Jugendlichen und dass es ein Traum von ihm wäre, sollte er eines Tages aus dem Gefängnis kommen, sich dafür einzusetzen. Er weiß, was er falsch gemacht hat in seiner Jugend, hat es verstanden, aber einen Mord hat er nicht begangen. Es ist ein Unterschied wegen Brandstiftung und Einbruch verurteilt zu werden oder für einen Mord, wofür es in einigen Staaten der USA die Todesstrafe gibt. Viele Jugendliche geraten auf die schiefe Bahn und begehen Straftaten, werden jedoch nicht immer erwischt. Tony ist halt jedes Mal geschnappt worden. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich heiße das keineswegs gut, aber ein Mörder ist er eben nicht.

Wir tauschen uns über unseren Musikgeschmack aus. Durch eine Radiosendung in Texas kann ich ihn ab und zu meine Musikrichtung hören lassen. Dann schreibt er mir, wenn er es im Radio gehört hat und wie er es fand. Seine Musikrichtung erfahre ich durch Linkangaben. Wir besprechen Bücher, die wir gelesen haben – er in Englisch und ich in Deutsch. Der Film „Der mit dem Wolf tanzt“ ist jedes Jahr ein Thema bei uns. Er kennt den Film noch und das Buch. Er mag die Indianer – seine Eltern und Großeltern stammen von den Apachen ab.

Über die Gewalt im Gefängnis spricht er nur am Rande, er möchte niemanden belasten. Wenn es etwas Neues in seinem Fall gibt, dann sprechen wir darüber. Über seine Hinrichtung nur sehr selten, aber einmal ganz klar: Er weiß genau, wie er sterben möchte, wen er dabei haben möchte und wen nicht.

Der Kontakt zu seiner Familie ist sehr eng. Seine Mutter, eine gebrochene Frau, besucht ihn fast wöchentlich seit nunmehr 17 Jahren. Zu seinen Kindern hat er Kontakt und sein Sohn will später einmal Jura studieren. Eine Freundin oder Ehefrau hat er nicht, nicht mehr. Er sieht keinen Sinn darin, eine Beziehung hinter Glasscheiben aufrechtzuerhalten. Er will niemanden verletzen oder belasten.

Unsere Freundschaft besteht seit fast sieben Jahren und ich bin für ihn wie eine Schwester. Tony ist ein Mann, der trotz der bevorstehenden Todesstrafe noch Träume hat, der gegen Abtreibung ist, der selbst Kinder hat und sehr kinderlieb ist …  dieser Mann soll zwei Kinder erschossen haben?! Er könnte damit nicht leben.

Es geht ihm um die Gerechtigkeit, es geht ihm darum, Aufmerksamkeit zu bekommen, weil es in den USA oft zu diesen Fehlurteilen kommt. Er möchte in Freiheit leben, weil er nichts getan hat, und er möchte die Chance bekommen, seine Erfahrungen zu vermitteln. Den Jugendlichen wieder auf den rechten Weg helfen, damit sie nicht im Knast enden. Er bereitet sich auf das Leben danach vor. Er kennt keinen Computer, nicht das Internet, aber trotzdem weiß er darüber Bescheid. Gibt mir sogar Tipps, wie ich etwas verbessern kann. Sein Wissen bezieht er über Bücher und Zeitschriften. Er bereitet sich vor, um nicht erschlagen zu werden von der Welt da draußen, wenn endlich sein Fall gerecht – mit allen notwendigen Beweisen – betrachtet wird. In 17 Jahren habe sich die Erde komplett gedreht, sagte er einmal, und er hat Angst davor, es nicht zu verstehen. Nur darauf konzentriert sich Tony, nicht auf seinen Tod, und das hält ihn am Leben. Der Kampf ist schwer, voller Emotionen, Höhen und Tiefen, Rückschläge und Traurigkeit – aber er gibt nicht auf.

Irgendwann kam ein Päckchen aus den USA, von seiner Mutter geschickt, mit einem Ring mit den Buchstaben „HUG“. (Umarmung) Er ist aus einem Schweineknochen geschnitzt worden. Wahnsinn. Ich meine, das kann man sich nicht vorstellen, aber er hat ja nichts in seiner Zelle … Viele Wochen hat er daran gearbeitet, es soll mir Glück bringen. Zum Geburtstag bekam ich ein Bild, es ist ebenfalls geschnitzt und hat fast ein Jahr gebraucht, bis es zu mir gelangt ist. Aus dem Gefängnis etwas herauszubekommen, ohne dass es zerstört wird, ist nicht leicht.

Wenn er Geburtstag hat, dann feiert er mit seinen Zellennachbarn und isst Kuchen. Er backt den Kuchen selbst. Ich fragte mich, wie das gehen soll, denn schließlich hat er keinen Backofen, keine Küche, eigentlich gar nichts in seiner Zelle. Also fragte ich ihn in einem nächsten Brief. Prompt kam die Antwort: "Ich schmelze Schokolade mit meinem Heizstab, zerkleinere Kekse und gieße die Schokolade über die Kekse und warte, bis es hart wird. Dann wird der Kuchen aufgeteilt. Anschließend geht es zum Angeln: mit Schnur und Kuchen zum Nachbarn. Ein großer Akt, nicht erwischt zu werden …"

Manchmal schreibt er mir, dass er mal wieder umgezogen ist. Dann muss ich lachen – wir lachen. Als er mir diesen Satz zum ersten Mal schrieb, konnte ich nichts damit anfangen und schrieb zurück: „Wieso umgezogen, wie meinst du das? Du sitzt doch im Käfig!“ Natürlich zieht er manchmal von Zelle zu Zelle, weil wieder mal das Wasser von der Decke tropft oder, oder, oder … Hoffen wir mal, dass er bald wirklich umziehen kann – zu seiner Familie.                                                                   ©2013 IlonaLeverenz

Feedback:

Diana: Ilona, es liest sich wie eine Geschichte. Eine Geschichte die zur wundervollen Freundschaft wurde und die hoffentlich noch viele Jahre anhält. In der Hoffnung, daß sich diese zwei Freunde endlich einmal umarmen können im Zeichen des Ringes. Danke das wir Anteil daran haben dürfen.


Freien Journalistin Katja Back: Wir in Deutschland können gar nicht nachvollziehen, was es heißt, in einer Todeszelle sitzen zu müssen. Und wenn man auch noch unschuldig in einem solchen Trakt sitzt, dann ist das furchtbar. Der Mensch wartet dort im Prinzip auf seinen Tod, auf seine Ermordung. Dass jemand, obwohl er eigentlich den Glauben an die Justiz verloren haben müsste, doch noch so kämpft, soziale Kontakte außerhalb des Gefängnisses pflegt und auf eine Zukunft hofft, wie Tony Medina, ist kaum vorstellbar. Wie würden wir uns wohl fühlen? Mutig ist es auch, sich für jemanden einzusetzen, der eigentlich schon verurteilt und damit als Mörder abgestempelt wurde. Justizirrtümer gibt es auch in Deutschland, doch ist es hier nicht ganz so dramatisch, wenn sich irgendwann doch die Unschuld herausstellt. Wenn die Todesstrafe vollstreckt worden ist, dann hilft das dem Verurteilten auch nicht mehr. Tony Medina und Ilona Leverenz haben eine ganz besondere Beziehung. Sie hat den Menschen kennen gelernt. Seine Schwächen, seinen Humor und sie setzt sich für Tony Medina ein, weil sie an ihn und die Gerechtigkeit glaubt. ... und alles begann mit ein wenig Neugier und einer Brieffreundschaft. Katja Back


Journalist & Autor Hans Leicher: Ein interessanter und plastischer Bericht, wie ich finde, von einer engagierten und entschlossenen Frau. Dabei bin ich mir sicher, dass viele Menschen ihre Gedanken und das was die Grundlage dieser Geschichte ist, nicht nachvollziehen können. Die Vorverurteilung, die Vorurteile und der Ruf nach der Todesstrafe sind leider so verbreitet wie die Gedankenlosigkeit, der Glaube an nur das, was als Meinungsmache in verschiedenen Medien verbreitet wird und das hetzerische Nachplappern von Parolen durch Menschen die sich mit dem Hinterfragen von Tatsachen nicht belasten (wollen).

Auch ich beschäftige mich seit ca. sieben Jahren mit der Geschichte von Tony Medina. Die Fügungen haben es erlaubt, dass ich dazu auch einige Sendungen gestalten konnte. Während der Recherchen gab es immer wieder zusätzliche Aha-Effekte. Während und nach den Sendungen gab es Menschen die zuvor skeptisch waren, später aber schier fassungslos waren. Das alles ist kein Stoff für einen FB-Kommentar. Trägt man es es zusammen, wägt man ab und hinterfragt man weiter, so wird es ein umfassendes Buch. Wer aber, bitte, liest sich ein so umfangreiches Buch aufmerksam durch, in dem es um einen verurteilten Mörder handelt. Zeitverschwendung! Oder? Immer wieder lesen wir diese Aufrufe in den sogenannten Sozialen Medien: "Kinderschänder - Todesstrafe", "Mörder - Todesstrafe" usw. usw. .

Ein dringender, fester Druck auf die Bremse scheint hier angeraten.

Zunächst zu dem, um den es in der Geschichte von Ilona Leverenz geht: Tony Medina. Ist Tony Medina wirklich ein Mörder? Waren Sie dabei, als es geschah? Ich jedenfalls nicht. "Aber die Medien und das Gericht haben doch...." höre ich Sie sagen. Ja, ein Gericht hat entschieden, die Medien haben berichtet. Vielleicht haben Menschen sogar gejubelt, wie aktuell in Boston. Aber wer hat sich denn einmal Gedanken gemacht, sich mit dem Fall Tony Medina und den Hintergründen zu befassen? Wenige jedenfalls. Sonst würde nämlich auffallen, dass es in dem Fall viel zu viele Details gibt, die offen geblieben oder nicht beachtet wurden. Klare Kenntnisse und Aussagen soll es geben, die Tony entlasten. "Das kann doch nicht sein...", höre ich Sie nun wieder sagen. Doch das kann es. Und wer es nicht glauben mag, dass in dem von vielen von uns betitelten "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" so etwas geschehen kann, der sollte sich wirklich intensiv mit dem Thema befassen. Dabei wirkt übrigens in diesem Kontext der Begriff "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" wie ein Wortwitz. "Aber es gibt doch auch Rechtsanwälte", sagen einige von Ihnen. Ja, die gibt es natürlich im "gelobten Land". Allerdings gibt es gravierende Unterschiede zur Motivation der Rechtsexperten in den Staaten gegenüber dem was viele von uns hier "zu Recht" erwarten.
Motivation und Kometenz ist dort eine Frage des Geldes. Den sogenannten Plichtverteidigern fehlt dort, zumindest nach meiner Recherche, die Motivation.
Ein Beispiel: Das Interesse eines Rechtsanwalts der mit dem Fall vertraut ist wirkt auf mich durchaus fragwürdig, wenn ich ihn um ein Interview bitte und ihm offeriere, den Fall Tony Medina zu publizieren, wenn er mir minutiös verschreibt, wann ich ihn in der geplanten Sendung auf seinem Handy in den USA anrufen soll. Auf Rückfrage, ich könne doch auch auf seinem Festnetz im Büro anrufen und bei Interesse könne doch auch er anrufen, kommt die gelangweilte Antwort, er könne nur innerhalb der USA telefonieren. Nicht minder interessant gestaltete sich das entspechende Interview das von mir aus auf seinem Handy zur von ihm genannten Uhrzeit stattfand.
Desinteresse, Fahrigkeit, Vorverurteilung, genau so kann es in dem entscheidenden Prozess um die Tat, die Tony Medina vorgeworfen wird, zugegangen sein. Wohlbemerkt: Kann! Im Zweifel für den Angeklagten heißt es. Dennoch gibt es Fachleute die Beweise haben wollen, die keinen Zweifel an Tony Medinas Unschuld übrig lassen. Deshalb auch gut, dass andere Anwälte gefunden wurden und es eine Prüfung des Falls gibt.
Wie soll sich nun ein Mann wie Tony Medina, der behauptet unschulig zu sein, wehren. Gut wenn er es - wie auch immer - schafft, selbst an die Öffentlichkeit zu gelangen. Wie er es schafft immer wieder aus seiner ca. 2 x 2 Meter großen Todeszelle heraus zu schreiben ist mir immer wieder schleierhaft. Auch ich habe einige kurze Briefe von ihm erhalten. Kein Bedrängnis, bescheiden und Dank. Kaum einer von mag sich vorstellen können wie man in einer solchen Situation und unter solchen Verhältnissen noch so hoffnungsvoll und kämpferisch sein kann.
Ein weiteres Gespräch gab es in einer meiner Sendungen mit der Mutter von Tony Medina. In ärmlichen Verhältnissen lebend, mussten wir seinerzeit erst einmal Nachbarn organisieren, bei denen sie mit uns telefonieren konnte - bei der Handy-Flut in Deutschland kann sich kaum jemand vorstellen, dass es in den USA Menschen ohne Telefon gibt. Auch sie beteuerte die Umschuld ihres Sohnes und schilderte, dass Tony Medina zur Tatzeit keinesfalls am Tatort gewesen sein konnte. Der Leser ahnt nun schon, wie schnell man hier zur Buchform gerät.

Weiter zu der Frage ob Tony Medina ein Einzelfall ist.
Die Recherche einer weiteren Sendung brachte mich zu einem Live-Interview mit Rick Halperin von der Southern Methodist University. Dort ist er Dirktor des Menscherechtsprogramms. Rick Halperin ist der bekannteste amerikanische Menchenrechtler.
Wieder Handy in den USA auf eigene Kosten zur genannten Zeit anrufen? Fehlanzeige. Halperin war mit dem Fall Medina vertraut, sagte spontan zu, obwohl er - aufgrund der Zeitverschiebung - zu der Zeit eine Vorlesung hatte. Er unterbrach die Vorlesung und rief uns in der Sendung an, weil ihm das Anliegen so wichtig war. Auch er schilderte sehr plastisch und menschlich, für deutsche Zuhörer aber wieder fast unverständlich, wie schnell es in den USA zu einer solchen Verurteilung kommen kann. Er zeigte uns Wege auf, die für eine Wiederaufnahme des Falles Tony Medina möglich sind. Ich habe ihm dafür gedankt, dass er sich Zeit für uns genommen hat und seine Vorlesung unterbrochen hat. Seine Antwort sinngemäß: "Wenn Sie jetzt die Tränen in meinen Augen sehen könnten, dann wüßten Sie, wie wichtig mir das Anliegen war, Ihnen das alles hier aus den USA mitzuteilen." - Ohne Kommentar aber ein Satz der mich mein Leben lang begleiten wird.
Halperin zeigte uns aber auch auf, dass Tony Medina kein Einzelfall ist. Er berichtete, dass es viele Fälle von Menschen gibt, die vielleicht unberechtigt in den Todeszellen sitzen.

Nicht näher ausführen will ich hier die Frage "Ja oder Nein" zur Todesstrafe. Ich persönlich spreche mich als Mensch dagegen aus. Allerdings würde diese Diskussion an dieser Stelle zu weit führen.

Bleibt die Hoffnung, dass es bald möglich ist, den Fall Tony Medina neu und unter gerechten Gesichtspunkten zu verhandeln. Würden dann die bisher bekannten Fakten und Beweismittel berücksichtigt und hätten sie Bestand, dann würde der von Ilona Leverenz genannte und gewünschte Umzug zu seiner Familie stattfinden (müssen). Es wird gewiss nicht morgen sein. Die gesetzlichen Mühlen mahlen, wie wir gemerkt haben, langsam. Aber die Gerechtigkeit, die Möglichkeit alle Fakten auf den Tisch zu legen, sollte in einem "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" machbar sein.

 


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