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USA - Warten in der Todeszelle

Manuskript des Beitrages vom 26.03.2006

Anthony Medina sitzt im Todes-Trakt eines US-Gefängnisses. Sein Anwalt kämpft um eine Wiederaufnahme des Falles, denn er ist von der Unschuld seines Mandaten überzeugt.

Livingston, Texas. 40 Meilen nördlich von Houston liegt die Polunski Unit – ein Todesgefängnis. Wir wollen zu Anthony Medina, dem Mann, der zwei Kinder auf dem Gewissen haben soll. Zum Tode verurteilt wartet er seit neun Jahren auf den Tag X, den Tag an dem er durch die Giftspritze sterben wird. Persönlicher oder körperlicher Kontakt während des Gespräches sind strengstens verboten. Eine kugelsichere Glasscheibe trennt Tony von der Außenwelt. Wir wollen von ihm wissen, warum er hier ist.

Tony Medina, Texas, Livingston

Tony Medina, Todesinsasse

"Ich bin für etwas bestraft worden, was ich nicht getan habe. Ich weiß, ich sollte eigentlich nicht hier sein. Ich habe selbst Kinder draußen, mit denen ich zusammen sein sollte. Glücklicherweise habe ich eine Familie, die mich braucht und Freunde, die mich unterstützen."

Tony Medina, Texas, Livingston

Campden Hill, ein Vorort von Houston. Hier begann vor neun Jahren Anthonys Geschichte. Die Hausnummer 15431 ist der Tatort. In der Silvesternacht soll Tony aus einem fahrenden Auto heraus zwei Kinder erschossen haben. Seit fast fünf Jahren kämpft sich Anwalt Morris Moon durch die Akte Medina. Er will den Fall noch einmal aufrollen. Seine intensive Recherche und die Überprüfung von Zeugenaussagen lassen auch beim Anwalt Zweifel am Urteil aufkommen.Campden Hill, Houston Texas

Campden Hill, texas

O-Ton: Morris Moon, Anwalt
"Bei Tonys Fall gibt es so viele Probleme. Da sind einerseits wichtige Beweise, die das Gericht nie zu Gesicht bekommen hat und es gibt auch jede Menge Verfahrensfehler. Tonys Fall ist ein sehr gutes Beispiel, was hier in Texas bei Gerichtsverhandlungen passieren kann.

"Wir sind in Downtown Houston auf dem Weg zum Gerichtsgebäude. Vor fünf Jahren schon hat Morris Moon die Akten für Anthonys Revision eingereicht. Doch trotz falscher Zeugenaussagen und neuer Beweise, ein Wiederaufnahmeverfahren gab es bisher nicht. Es bleibt nur die Hoffnung.

O-Ton: Morris Moon
"Ich denke, wenn Tony endlich ein neues Gerichtverfahren bekommen würde und wir dann alle neuen Beweise präsentieren können, dann glaube ich wird es sehr sehr schwierig, Tony schuldig zu sprechen."

Zurück im Knast. Anthonys eigene Zelle dürfen wir nicht sehen, doch das Filmmaterial der Gefängnisleitung gibt Einblick, wie man als Todeskandidat lebt. Der Alltag im Gefängnis ist trist. Der Tag wird nur von den Mahlzeiten unterbrochen. 23 Stunden bleiben die Todeskandidaten hinter verschlossenen Türen – keine Chance, dem zu entkommen.

O-Ton: Anthony Medina
"Das hier ist nur ein vegetieren. Jeden Tag wache ich auf, ich esse, kann eine Stunde aus der Zelle, lese und ich geh wieder schlafen. Und ich weiß, am nächsten Tag ist es wieder so. Ich hoffe einfach nur, das der Tag kommt, an dem ich ein Blatt Papier bekomme, das mir sagt, es gibt ein neues Gerichtsverfahren."

Tony Medina, USA Texas

Das große Foto erinnert seit zehn Jahren Anthonys Mutter Golda an die Geschehnisse. Sie will und kann ihren Sohn nicht vergessen. Akzeptiert hat sie die Gerichtsentscheidung bis heute nicht.

O-Ton: Golda Medina, Mutter
"Jeder denk, Anthony Medina ist ein Monster. Sie sagen, er hat zwei Kinder umgebracht und dafür soll er jetzt sterben. Es tut mir leid, aber wie kann man sich so sicher sein, wenn man gar nicht dabei gewesen ist. Ich verstehe nicht, wie der Bundessaat Texas einfach sagen konnte, er hat es getan. Das will ich nicht akzeptieren."

Golda Medina, Houston Texas, Interview with MDR Windrose Germany

Ihr Sohn beschäftigt Golda Medina täglich. Über den Fotos grübelt sie, wie Anthony ohne Fingerabdrücke auf der Tatwaffe schuldig gesprochen werden konnte. Oft denkt sie an seine Jugendzeit. Denn sie weiß, Anthony ist kein unbeschriebenes Blatt. Vor seiner Verhaftung war er Kopf einer berüchtigten Gang, hatte oft Ärger mit der Polizei.

O-Ton: Golda Medina
"Jeder ist am Anfang seines Lebens unschuldig, er war das auch. Dann hat er hat große Fehler gemacht und schlechte Entscheidungen getroffen."

Seinen Söhnen will Anthony genau diese Erfahrung ersparen. Er will für sie ein Vater sein und kämpft darum für seine Freilassung.

O-Ton: Anthony Medina
"Ich werde mich hier nicht klein kriegen lassen, sie werden nicht gewinnen. Das erhält mich am Leben, ich weiß, sie werden mich nicht besiegen und selbst wenn ich hier noch fünf oder zehn Jahre sitzen muss."

Ein neuer Prozess könnte für Anthony auch ein neuer Anfang sein. Die Akte Medina ist noch lange nicht geschlossen.

©2006 MDR Windrose - Auslandsredaktion. Quelle MDR

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