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Freiheit in einem Käfig

WIE, wirst Du Dich sicherlich fragen, kann man im Zusammenhang mit Käfig von Freiheit sprechen… Nun, ich habe mich das gleiche gefragt, WIE kann ich mich frei fühlen, wo ich doch IN diesem Käfig sitze…  Ich bin gestern auf eine Reise gegangen. Meine Hände waren vor meinem Bauch gefesselt, meine Füße wurden mit Ketten versehen, eine Kette um meine Hüfte, welche beide Fesselwerkzeuge miteinander so verbunden hat, so dass ich gezwungen war mich nach vorne über zu beugen, sonst wäre ich gestolpert. Hast Du dieses Bild vor Deinen Augen?  Dann wurde ich auf den Rücksitz eines Vans gesteckt. Auf dem Rücksitz gab es zwei eingebaute Käfige, einer war für mich bestimmt, dort wurde ich eingesperrt. Die Käfigtür klappte zu, danach verriegelten sich alle Schlösser. Also war ich nicht nur wie ein Tier angekettet, nein der Käfig um mich herum, war kleiner, als der, in dem man einen Affen transportieren würde. ABER ich fühle mich frei.

Klingt verrückt oder? Vom Inneren des Vans aus, konnte man nur vorne oder Hinten hinaus schauen, so habe ich mich ein wenig gedreht, damit ich die Landschaft sehen konnte. Als der Wagen sich bewegte und wir vom Gefängnistrakt, in dem ich seit 10 Jahren eingekerkert sitze, wurden meine Augen immer größer, damit ich so viel wie möglich sehen konnte. Ich sah verschiedene Gebäude und Gefangene, die arbeiteten. Dann kamen wir auf die Straße und der Fahrer begann Gas zu geben. Mir kam es vor als säße ich in einem NASCAR Rennwagen. Verdammt!!! Schau die die Bäume an, überall schmale grüne Bäume. Menschen fuhren zur Arbeit und gaben richtig Gas auf dem Weg nach Huntsville, Texas… Das verwirrende war, ich musste mir keine Sorgen machen, normalerweise kamen die Männer, die nach Huntsville gebracht wurden, nicht wieder, aber heute wurde ich lediglich nach Huntsville gebracht um meine Augen durchchecken zu lassen, also konnte ich tief durchatmen und die freie Welt genießen.
 
Dank des zauberhaften Gaspedals des Fahrers, brauchten wir lediglich 45 Minuten, Es war nicht das erste Mal das ich diese Fahrt machte und ich fragte mich unweigerlich, ob ich mir schon vorher solche Gedanken gemacht hatte. Ich machte es… denn ich liebte diese Fahrt. Obgleich ich  im Wagen gehalten wurde, eingesperrt wie ein Biest. Ich fühlte mich frei. FREI… das ist ein Wort mit vier Buchstaben und es ist in der Lage über 1000 Gefühle zu beschreiben.  Aber ich war auch ein wenig verwirrt, WIE KONNTE ich mich frei fühlen, gefesselt, in einem Käfig… Viele Gedanken gingen mir durch den Kopf, selbst als ich versuchte alle Bilder in meinem Kopf zu speichern, die ich von draußen aufnahm. Ich LIEBE Autos, LKWs und Motorräder, also versuchte ich darauf zu achten sofern ich welche sah… Sie im richtigen Leben zu sehen ist so anders als in einem der Magazine.
 
Ok dann lasst uns mal schnell weiter machen ohne näher auf das Abtasten und durchsuchen nackter Menschen einzugehen. Mir reicht es schon sagen zu können, das das TDC dumm genug war, und diese Dummheit auch nach draußen sichtbar gemacht hat. Nun sind wir also auf der Rückfahrt und ich spreche mit einem alten Kumpel den ich schon lange kenne. Menschen die mich kennen, wissen das ich nicht mit vielen Leuten im Todestrakt rede. Ich war sehr froh dass man mich mit einem Typen zurückfahren ließ, den ich gut kannte und mit dem ich mich auch verstand.  
 
Wir heizen also zurück, zurück in den Todestrakt, wo ich wieder in meinen Käfig gesperrt werde, 2 Jahre lange werde ich nichts mehr von der Außenwelt sehen, erst dann kann ich wieder versuchen, meine Augen testen zu lassen. Ich begebe mich wieder in die Hölle auf Erden welche das TDC den Todestrakt nennt. Ich gehe wieder dahin, wo man uns schlimmer behandelt, als Tiere im Zoo, da wo uns Essen gegeben wird, was andere nicht einmal ihrem Hund vorsetzen würden. Dahin wo wir in Käfigen gehalten werden, in denen es von der Decke tropft, an den Ort an dem es Menschen gibt, die lieber an sich herumschneiden, als dort zu leben. Zur Hölle, diese Zellen haben einen Menschen dazu gebracht, eines seiner Augen  herauszunehmen und es zu essen. Ich lüge nicht, genau das geschah 2009 im Todestrakt, vielleicht auch 2008, genau kann ich es nicht sagen, da man hier drinnen nicht immer mit der Zeit mitkommt, aber es passierte!!
 
Wir sind also auf unserem Weg zurück und ich unterhalte mich mit dem anderen Häftling, gleichzeitig versuche ich so viel wie möglich von der Außenwelt mitzubekommen.  Plötzlich habe ich das komische Gefühl das mich schon fast dazu bringt mich wieder in den Todestrakt, in meine Zelle zu wünschen… dadurch wurde ich recht ruhig und versuchte diese Gedanken in etwas zu fassen, was ich verstand.
 
Wir sind also auf unserem Weg zurück, mein Verstand dreht durch… ich begann zu realisieren was es war, es war die freie Welt. Ich war so lange eingesperrt, das ich dachte, dass genau das meine Welt war. Demnach fühlte ich mich, auch wenn der Van einen Käfig hatte, als sei ich an einem falschen Ort… Als ich das Verständnis dafür aufbaute, begann ich mich gleichzeitig selber zu hassen. Wie zur Hölle konnte ich mich wohler in einem Käfig fühlen, als in einem Wagen auf der Straße. Ich gehe davon aus das es sicherlich einen Psychologen da draußen gibt der große Worte als Erklärung finden würde, für mich als ganz normalen Menschen jedoch, konnte ich nichts weiter denken als „scheisse!“ Ich fühlte mich wie einer von den Gefangenen welche man in Hollywoodstreifen sieht, die sich nachdem sie sehr lange im Gefängnis waren, sich in der normalen Welt nicht mehr zurechtfinden.  
 
Ich war in einem Käfig und fühlte mich, die Fesseln nicht hinzugezählt, frei. Ich fühlte mich, als ob der Himmel über mir zusammen brach, weil ich mich außerhalb meiner Welt befand… wie ich schon sagte, diese Zellen bringen Menschen dazu verrückt zu werden.

Tony Medina.

 

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